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Er drehte sich noch einmal auf die andere Seite und versuchte wieder einzuschlafen. Doch es war bereits zu spät, der Tag hatte ihn schon fest im Griff. Mit einem Ächzen erhob er sich aus dem Bett und schlurfte ins Bad. Als er sich dort müde im Spiegel betrachtet, schlich sich etwas in sein Bewusstsein.
Im Flur war irgendetwas anders gewesen als sonst. Er kam nicht wirklich darauf, also ging er nachschauen. Im Korridor sah alles ganz normal aus, es war nur etwas kühl. Es zog. Wieso das? Er war doch gerade erst aufgestanden und hatte noch gar keine Zeit gehabt um zu lüften. Vorsichtig ging er durch den Durchgang, der seinen Teil der Wohnung mit der seines Mitbewohners verband.
Die Reste der Wohnungstür hingen lose in den Angeln. Der Rest lag zersplittert auf dem Fußboden.
Die Tür zum Schlafzimmer seines Mitbewohners stand offen. Ihn beschlich ein ungutes Gefühl. Er schlich sich vorsichtig in das Zimmer und als er durch die Tür trat, erschreckte ihn der Anblick seines Mitbewohners so sehr, dass er über das Schuhregal stolperte und der Länge nach hinschlug.
Für einen kurzen Moment blieb er auf dem Boden liegen. Aber die Hoffnung, nur in einem bösen Alptraum gefangen zu sein, verließ ihn schlagartig, als seine Finger etwas berührten. An seinen Fingern spürte er eine warme Feuchtigkeit. Langsam hob er die Hand und erwartete das rote Blut seines Mitbewohners zu sehen. Doch es war zarter, durchsichtiger Schleim, der langsam von seinen Fingern den Arm entlang rann...
...oder sich schlängelte?
Ist es das beruhigende Gefühl, durch nichts abgelenkt zu werden?
Oder ist dies ein subtiler Weg eines Programmierers, der in nichtsahnenden Autoren die Angst vor der ersten leeren Seite von einem unguten Gefühl zu einem wahren Horror befördert?
Wir werden es nicht wissen, bis wir es nicht genau ausprobiert haben. Aber bis dahin werden wir wenigstens den Schriftsatz auf eine erträglichere Alternative umstellen. Wie wäre es zum Beispiel mit dem allseits beliebten Garamond Pro, der schon einer gewissen Diplomarbeit zum Durchbruch verholfen hat?
Als ich mich umdrehte, schaute sie mir direkt in die Augen. Sie hatte es bemerkt.
Obwohl ich jahrenlang nur für diesen einen Augenblick trainiert worden war, wischte sie meine Maske weg, als ob sie eine verstaubte Fensterscheibe säubern würde. "Hast du wirklich geglaubt, dass du damit durchkommen würdest?" Sie lächelte mich an und ich glaubte einen mitleidigen Ausdruck in ihren Augen zu sehen. Oder war es Verachtung? So oft ich den beiden in der letzten Zeit auch begegnet war - ich konnte sie einfach nicht auseinanderhalten.
Sie machte zwei große Schritte auf mich zu - der dicke Teppich verschluckte jeden Laut - und tippte mir mit ihrem Zeigefinger auf die Schulter. Die Berührung brachte mich so dermaßen aus der Fassung, dass ich zu zittern begann. "Komm mir noch einmal in die Quere und du wirst dir wünschen, diese Welt niemals betreten zu haben." Damit wandte sie sich um und verließ das Zimmer.
Meine Meister würden alles andere als begeistert sein, doch wenigstens hatten wir jetzt ihren Fingerabdruck und ihre DNA. Vorsichtig löste ich die Kontaktfolie von meiner Schulter, steckte sie in einen schmales Etui aus Acryl und verließ ebenfalls den Raum.
Ich finde beim Packen gerade jede Menge alter Liebesbriefe, Tagebücher und Poesie. Während ein Teil davon besser geheim bleiben sollte, möchte ich Euch das folgende Werk nicht vorenthalten:
stehe
ich
auf meinem
Platz.
Habe
aber
dann
genug
geschaut
und
beschließe
mich
auf und davon
zu machen.
Sehr zum
Erstaunen
der Träumer.